| Es war vor ganz langer Zeit in Ägypten: Die Menschen werden allmählich seßhaft, legen Kornvorräte an. Sie erleben jedoch bald, daß die Kornansammlungen auch Ratten und Mäusen gefallen. Katzen leben schon seit Millionen Jahren auf der Erde. Irgendwann taucht eine dieser Falbkatzen in der Nähe der Menschen auf. Dann kommt noch eine und bald noch eine und noch mehr. Sie schwelgen im Überangebot an Mäusen und Ratten, das ihnen die Zweibeiner bescheren. Sie verstehen recht schnell, daß sie sich beliebt machen, weil sie die Kornvorräte der Menschen vor allzu viel Nagern schützen. Und sie entdecken, daß sie mit ihrer schönen Anmut, Geschmeidigkeit und dem sanften Schnurren die Herzen der Menschen im Fluge erobern. Sie werden Heilige Katzen - verehrt und geliebt. Sie legen sich speziell für die Menschen eine Sprache zu, das Miauen und Mauzen, darauf fahren die Zweibeiner total ab. Und unmerklich hat die Katze den Menschen domestiziert. |
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![]() Danke Elisa (c) Nach einer Vorlage aus Werner Fuld "Von Katzen und anderen Menschen" |
Die Menschen beginnen, Handel mit anderen zu treiben. Inder bringen
mit ihren Dhaus Katzenjunge übers Rote Meer nach Asien. Die Ägypter bauen
Schiffe und überqueren das Mittelmeer nach Zypern und weiter nach
Griechenland. Die Katzen begleiten sie
und kommen so in Europa an und bald sind sie auch hier zu Hause -
die Welt ist erobert. Das ist mehr als 9000 Jahre her. Die Katzen fühlen sich bei den Menschen
wohl, bleiben aber geheimnisvoll und frei. Die Katzen suchen die
Nähe der Menschen, wann ihnen danach ist oder wenn sie es für nötig
halten, sie lassen sich nicht wie die anderen Haustiere halten. Wie
in Ägypten kommen die Katzen auch in Europa und Asien zu
spiritueller Bedeutung wegen ihrer Anmut und ihrer Vorliebe für
Ratten und Mäuse. Im Mittelalter ist vieles mystisch und außergewöhnliche Frauen umgeben sich mit den außergewöhnlichen Katzen. Sie fühlen sich seelenverwandt und leben sehr innig mit den Katzen. Dann schlägt die Dummheit zu, Aberglaube und religiöser Wahn sehen Hexen und Teufel. |
| Das geglaubte Böse muß weg, die Frauen und noch mehr die Katzen werden mit Feuer und
Schwert dezimiert, wo man ihrer nur habhaft wird. Ratten und Mäuse leben sichtlich auf; der Erzfeind wird rar und die
Nager bekommen wieder die Oberhand. Irgendwann später Mitte des 14. Jhd. stirbt ein Mensch
an einer eigenartigen Krankheit. Am Ende ist es ein Drittel der
Europäer, die innerhalb von sechs Jahren Opfer der Pest werden, die Nager haben ganze Arbeit getan.
Es ist kein Verdienst des Menschen, daß die Katzenpopulation wieder
langsam erstarkt, die Menschen begreifen sehr spät. Während das gemeine
Volk Katzen wieder zu
schätzen weiß, ist die christliche Kirche borniert und dumm genug, die
Katzen bis zum Ende des 17. Jhd. als Satansgeschöpf zu verfolgen. Bis
ins 19. Jhd. halten sich in Europa noch barbarische religiöse Bräuche
und Riten, in den Katzen verbrannt, eigemauert oder zu Tode gestürzt
werden. Das Verhältnis der Katzen zum Menschen ist zerstört. Die Katze hat in Europa mit den Zweibeinern viel Schlechtes erlebt, aber sie verschwindet nie ganz aus dem Umfeld der Menschen. Es sind die Königshäuser des 18. Jhd., in denen die Katzen ihrer Schönheit wegen ein Zuhause finden und wo sie wieder würdevoll Mäuse und Ratten von den irdischen Kostbarkeiten fernhalten. In der Blütezeit der Malerei um das 17./18. Jhd. taucht in den Bildern der Künstler immer häufiger das grazile anmutige Wesen auf, elegant und geschmeidig, sicher in den Bewegungen. Und langsam erinnern sich die Menschen, was ihnen die Katzen einst an Zuneigung entgegengebracht haben. Die Katzen erobern sich wieder Schritt für Schritt die Herzen, die Küchen und die Lieblingssessel der Menschen. Und die Katzen geben uns zu verstehen, daß sie es nicht vergessen haben, daß sie einstmals als Götter verehrt wurden - und wir lieben sie dafür. Der Katzen größtes Rätsel für die Menschen aber wird immer sein, warum sie sich trotz der schlechten Erfahrungen immer wieder in unsere Nähe begeben, uns beschützen und umsorgen - und uns ihre ganze Liebe geben. © copyright by Knö-Rei |
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Danke Elisa (c) Nach einer Vorlage aus Werner Fuld "Von Katzen und anderen Menschen" |
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