Katzengeschichten

Kleine Geschichten aus dem Katzenleben




  Der Meistersprung   NEU

Ausgesperrt  NEU

Das Rotschwänzchen   NEU

Fische fischen

Das Eichhörnchen

Katz und Maus




Der Meistersprung oder: Die Katze auf dem Dach

Die Katze ist ein Meisterspringer. Natürlich nicht jede, aber diese schon. Dafür kann sie nicht gut klettern, aber das muß ja keiner wissen, es reicht, daß die Sprünge der Katze legendär sind. Und so springt und erspringt die Katze auch alles, was sich als Ziel anbietet. Sie springt an die Türklinken und öffnet alle Türen, sie steigt nicht wie andere Katzen von ihrem raumhohen Kratzbaum herunter - sie springt vom obersten Plateau die zweieinhalb Meter Luftlinie direkt auf die Couch. Sie steigt auch nicht die 12 Stufen ihrer Katzentreppe auf den Schrank hinauf, sie springt die Treppe in einem Satz hoch und ist oben. Da gibt es zum Beispiel auch einen sehr hohen Schrank in einem der Zimmer der Katzenwohnung. Ohne Katzentreppe, weil über dem Schrank gar kein Platz ist, als daß eine Katze dort hinauf gekonnt hätte. Aber nicht so die Meisterspringer-Katze. Sie schleicht in dem Zimmer umher und rechnet und rechnet: Zuerst auf das Bett, vom Bett schräg hinauf auf das halbhohe Regal - kein Problem. Nur für den entscheidenden Sprung vom Regal ums Eck und schräg hinauf auf den Schrank, sofort Kopf und Körper flach machen, weil da wirklich nur eine Zweibeiner-handbreit Platz ist, muß die Katze all ihre mathematischen und physikalischen Kenntnisse aktivieren. Und irgendwann hat sie auch dieses Sprungproblem geschafft, ein Meisterspringer eben.  

Die Katze wohnt in einer Dachwohnung, so eine, die einige von diesen schrägen Fenstern ohne Fensterbrett hat. Das ist nicht so ganz katzenoptimal, weil die Katze hier nicht auf dem Fensterbrett sitzen und aus dem Fenster sehen kann, was aber auch Meisterspringer-Katzen gerne tun und zwar aus jedem Fenster. Also denkt sie sich was aus, wie sie trotzdem mal aus einem der Dachfenster sehen kann. Da steht doch ein Sessel ganz in der Nähe eines Fensters. Sie, die Katze, könnte doch, wenn das Fenster wieder einmal offen ist, einfach den Sprung vom Sessel in den offenen Fensterrahmen machen. Sie rechnet und rechnet wieder und eines Tages wird die Katze ganz mutig. Das Fenster ist offen, niemand ist da, der sie beobachtet und der Sessel steht auch sprung-günstig. Also los: Rauf auf den Sessel, rauf auf die Armlehne und Sprung rauf auf den Fensterrahmen und …

Oh, da ist diesmal bei der Sprungberechnung etwas schiefgegangen. Die Katze hat sich vertan und zuviel Energie in ihren Sprung gelegt. Sie kann auf dem Fensterrahmen nicht bremsen und macht noch einen kleinen Hopser weiter, nach draußen auf das Dach. Doch das Dach ist ziemlich steil und die Katze rutscht widerwillen auf ihrem Hintern Richtung Dachrinne hinunter bis in den Schneefang. Phu, das war knapp und der Schreck sitzt tief. Nun muß die Katze aber irgendwie wieder hinauf in ihre Wohnung, und zwar durch das Fenster. Das ist dann nicht ganz so schwierig, mit ein wenig Anlauf das Dach hochrennen und Sprung durch das Fenster wieder in das Zimmer und zielsicher mitten auf den Sessel, von dem aus das Abenteuer seinen Lauf nahm. Sie ist eben doch ein Meisterspringer und zum Glück hat keiner den kleinen Patzer gesehen.
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Das Rotschwänzchen 

Ich bin Wohnungskatze aus Überzeugung, ich möchte nicht herumstromern und mit all dem Tierzeug konfrontiert werden, was da draußen so lebt. Ich fürchte mich eben vor Fliegen, Spinnen, Vögeln und Mäusen. In der Wohnung auf der Couch zu liegen ist viel gemütlicher und vor allem nicht so anstrengend. Da kann ich meine Seele baumeln lassen und über das Leben philosophieren und viel und ganz fest schlafen, ohne daß ich noch ein Ohr in der Wirklichkeit haben muß, schließlich wachen die Zweibeiner ja über meinen Schlaf. Das ist meine Welt. Naja, ein wenig korrigieren muß ich das schon - ich mag es, daß meine Katzenwohnung einen Balkon hat. Mit einer schönen Verblendung mit kleinen Schlitzen, so daß mich niemand von außen sehen kann, aber ich kann die Welt da draußen mit meinen Superaugen durch die kleinen Schlitze beobachten. Da sitze ich bei schönem Katzenwetter gern mal für ein paar Augenblicke draußen.  Natürlich muß die Balkontür dabei immer offen bleiben, wenn ich meinen „Außensitz“ einnehme, schließlich könnte ja plötzlich so ein kleines Getier mit Flügeln oder langen Beinen auftauchen und dann muß ich mich mit einem Satz wieder in die gute Stube meiner Zweibeiner retten können.  

Nun, eines Tages war es dann so weit, der Schreck meines Lebens kam:
Ich will gerade einen kleinen Rundgang auf meinem Balkon machen, bin noch nicht mal ganz durch die Tür, da ist es -
ein Rotschwänzchen. Sitzt auf dem Balkongeländer und glotzt mich an. Sie wissen schon, diese kleinen quirligen Singvögel mit dem wippenden rostroten Schwanz. Wie angewurzelt verharre ich in meiner Bewegung. Was tun? Ich könnte ja das Vögelchen vertreiben, so wie normale Katzen das wohl tun würden, ist ja schließlich mein Balkon. Aber ich fürchte mich nun mal vor diesem ganzen Tierzeugs. Also verharre ich weiter und weiter, die schwarzen Glubschaugen des Rotschwänzchens immer im Visier. Und dann kommt es noch schlimmer, das Rotschwänzchen hüpft von der Brüstung auf den Balkonboden - direkt vor meine Nase. Will es etwa in meine Wohnung? Ich bräuchte wohl nur meine berühmte Linke vorschnellen lassen und könnte mit meinen waffenscheinpflichtigen Krallen das freche Tier in die Flucht schlagen.
Aber ich habe doch Angst. Stellen Sie sich vor, das Vögelchen flattert plötzlich mit seinen Flügeln und berührt unversehens mein kostbares Fell, vielleicht bleibt auch ein Federchen von ihm in meinem Seidenpelz hängen und das krabbelt dann und wenn ich es raus haben will, muß ich es ablecken - mit meiner eigenen Zunge, igittigitt.
Jetzt hüpft und zwitschert der kesse Winzling doch tatsächlich vor meiner Nase herum, als ob er sich lustig machen wollte über mich. Ob der Rotschwanz meine Ängste und Unsicherheit spürt? Nach endlosen Stunden, es waren wohl nur ein paar Minuten, in denen sich an der Situation nichts änderte - ich in regungsloser Harre den zwitschernden Vogel im Visier- fliegt das Rotschwänzchen endlich um die Hausecke davon und ich bin erleichtert und vermutlich um Jahre gealtert.   Zeichnung: Singvogel Hausrotschwanz (c)

Nun könnten Sie denken, na das war aber ein Abenteuer.
Aber nein, das war es noch nicht. Der Schrecken nahm kein Ende. In den nächsten vier Wochen kommt doch dieses freche Rotschwänzchen immer wieder auf meinen Balkon, wenn ich gerade rausgehen will. Das gibt’s doch gar nicht. Und immer dasselbe Spiel. Ich liege flach in der offenen Balkontür und das Vögelchen draußen vor der Balkontür hüpft und trällert minutenlang vor meiner Nase herum. So langsam gesellen sich meine Zweibeiner in sicherer Entfernung dazu und amüsieren sich. Die finden das auch noch lustig, was mache ich bloß. Ich bin fest entschlossen, wenn es das Vögelchen irgendwann wagen sollte, über die Schwelle auch noch in meine Wohnung auf meinen Teppich zu hüpfen, dann … dann werde ich ganz schnell zu meinen Zweibeinern laufen und um Hilfe rufen.  

Meine Zweibeiner erklären mir eines Tages, daß das Rotschwänzchen in einer Nische um die Hausecke sein Nest gebaut hat und Junge hat und am Anfang vor mir Angst hatte, weil gewöhnlich Katzen darauf aus sind, die kleinen Jungvögel aus den Nestern zu rauben und zu fressen. Und da werden die Rotschwänze ganz mutig und versuchen, die Mörderkatze abzulenken, damit die am besten gar nicht erst mitbekommt, wo das Nest mit den Jungvögeln ist. Na was soll das denn! Ich fresse doch keine Vögel, die haben doch Federn und Knöchelchen und Innereien, ich speise für gewöhnlich am Tisch mit Thunfischfilet und Kaviar und sowas.  

Aber ich glaube mittlerweile auch, das Rotschwänzchen hat längst begriffen, daß ich keine Mörderkatze bin und ziemlich viel Angst habe. In der letzten Zeit ist das Zwitschern des Vögelchens irgendwie ruhiger und freundlicher geworden, kommt es mich nun etwa besuchen? Das ist ja ganz nett, aber doch etwas zuviel des Guten, denn ich komme auch jetzt noch nicht aus meiner Flach-Liege-Körperstarre in der Balkontür heraus und das ist anstrengend.  

Als sich der Sommer neigt, kommt eines Tages das Rotschwänzchen wie so häufig, aber es hüpft und zwitschert ganz aufgeregt. Irgend etwas ist heute anders. Ich verstehe diese Zwitschersprache schlecht, aber es klingt fast so wie „Auf Wiedersehen“. Und tatsächlich, das Rotschwänzchen kommt danach nicht mehr, es ist unterwegs in Richtung Mittelmehr zum Überwintern (das haben mir natürlich wieder meine Zweibeiner erzählt, die wissen sowas). Und ich hatte mich irgendwie schon so an meinen ungewöhnlichen Besuch gewöhnt. Letztens bin ich sogar eingeschlafen von dem schönen Gesang des Rotschwänzchens. Und das Vögelchen hat gar nichts Schlimmes gemacht, es ist nicht in meine Wohnung gehüpft und es hat sich auch nicht lustig gemacht über mich.  

Und nun kommt´s noch besser.
Sie werden es nicht glauben, und es ist ja eigentlich auch unglaublich: das Ganze hat sich in diesem Jahr wiederholt. Naja, ich hatte keine Angst mehr, als das Rotschwänzchen im Frühjahr wieder in der Nische um die Hausecke sein Nest herrichtete und als erstes gleich mal auf meinem Balkon vorbeischaute, schließlich kennt man sich. Und so haben wir die schöne Katzen- und Vogel-Jahreszeit, den Sommer, immer wieder miteinander verbracht.

Ich hätte das Rotschwänzchen ja auch gern mal besucht, aber das geht ja nicht, weil ich nicht fliegen kann und um die Hausecke klettern, da bräuchte ich wohl Klebefüße und ich habe ja nun mal „nur“ Samtpfoten. Und so habe ich etwas entspannter meinen Liegeplatz auf dem Teppich vor der Balkontür eingenommen und das Rotschwänzchen hüpfte auf der anderen Seite der Balkontür herum und sang und zwitscherte und erzählte mir von seinen Jungen und daß es ganz gerührt war, mal eine nette Katze zu treffen.

Aber im Herbst war ich etwas traurig. Das Rotschwänzchen kam plötzlich nicht mehr, es hatte sich doch noch gar nicht von mir vor seiner Reise in den Süden verabschiedet. Was war geschehen? Ich ging immer wieder zu meinem Stammplatz vor der Balkontür, aber es kam niemand mehr. Meine Zweibeiner trösteten mich, sie erzählten, daß das Rotschwänzchen da war, um sich zu verabschieden. Ich aber war wegen der besonders angenehmen Sonne an diesem Tag versehentlich eingeschlafen, bevor das Vögelchen bei mir aufkreuzte. Es zwitscherte und zwitscherte und hüpfte und hüpfte und meine Zweibeiner hätten auch versucht, mich zu rufen, aber ich hatte wohl zu fest geschlafen. Irgendwann mußte das Rotschwänzchen dann los und seine Reise vorbereiten und ich hoffe nun, daß es mir nicht böse ist und im nächsten Frühling, gleich wenn es wieder einzieht bei uns um die Hausecke, mich besuchen kommt.    
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Ausgesperrt

Die Katze ist neugierig wie jede Katze. Es gibt so viele interessante Ecken in dieser Katzenwelt, wo die Katze einfach mal wissen muß, was dort ist. Vor allem, wenn sich die interessanten Dinge außerhalb der eigenen Katzenwohnung abspielen, denn die kennt die Katze in- und auswendig, ist ja schließlich ihre Wohnung. Ein besonders nettes Spiel hat sich die Katze ausgedacht, als es an der Wohnungstür klingelt. Die Zweibeiner sind so mit sich und dem Besuch samt Hund vor der Tür beschäftigt, da kann die Katze unbemerkt zwischen den Zweibeiner- und Hundebeinen hindurch huschen und wie ein Blitz die Haustreppe hinauf bis ganz nach oben. Hat es jemand bemerkt? Nein. Dann kann sie nun mal in Ruhe an den ganzen anderen Wohnungstüren schnuppern, wer dort wohnt und ob vielleicht gerade hinter einer der Türen etwas Leckeres gekocht wird. Aber es ist nichts Besonderes zu entdecken und die Katze geht lieber wieder in ihre Katzenwohnung zu ihren Zweibeinern. Vielleicht sind ja der Besuch und der Hund ganz nett und es ergibt sich da ein Spiel.  

Aber ach, die Wohnungstüren im Haus sehen ja alle gleich aus - und sie sind alle geschlossen. Die Katze versucht angestrengt, die richtige Tür zu ihrer Katzenwohnung zu finden. War es hier oder doch eine Etage höher? Irgendwann glaubt die Katze, ihre Katzenwohnung gefunden zu haben, hier riecht es nach Katze. Sie setzt sich davor und mauzt, denn sie kann ja nicht klingeln. Aber es dauert und dauert, ihre Zweibeiner haben scheinbar immer noch nicht gemerkt, daß die Katze gar nicht mehr bei ihnen ist. Endlich geht die Tür auf und die Katze stürzt genauso blitzschnell in die Wohnung, wie sie vor einer Stunde hinaus gehuscht ist. Aber warum haben ihre Zweibeiner die Wohnung umgeräumt und wieso ist da jetzt noch eine Katze und wo ist der Hund und wo sind ihre Zweibeiner? Die Katze ist ganz durcheinander und versteht die Welt nicht mehr.  

Aber die nette Nachbarin nimmt sie auf den Arm und bringt die Katze eine Etage höher, in ihre Katzenwohnung zu ihren geliebten Zweibeinern und die Katze ist froh, wieder da zu sein. Allerdings ist der Besuch mit dem Hund schon wieder weg und die Zweibeiner sind auch etwas erschöpft, haben sie doch seit einer Stunde jeden Winkel und jedes Katzenversteck in der Wohnung nach der vermißten Katze durchsucht. © copyright by Knö-Rei

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Fische fischen

Als die Katze in ihr neues Zuhause kommt, ist sie dort nicht die erste - da sind schon zwei Schleierschwänze in einem Aquarium. Wenn die durch's Wasser gleiten, dann schillert es rotgolden und verlockend und alle Besucher staunen ob der schönen Fische. Die Katze, schwarz, fällt erst auf den zweiten Blick auf; das kann so nicht bleibeZeichnung: Fisch Schleierschwanz (c)n. Außerdem sind Fische Katzenspeise, was kümmert's die Katze, daß die da Namen haben wie Haustiere.

Die Katze schleicht um's Aquarium, erst, wenn keiner zuhause ist und später stört sie es auch nicht, daß die Zweibeiner zuschauen. Das Aquarium hat keinen Deckel, sie könnte also einfach oben auf den Rand springen (Katzen können schließlich balancieren) und von dort ins Wasser greifen (igitt, das wird naß, aber das wird sie schon überstehen) und sich die beiden Fische angeln und weg sind sie und dann bekommt sie allein alle Zuwendung ihrer Zweibeiner. Der Plan ist gut.

Es ist ein Tag zum Fischeklauen. Die Zweibeiner sitzen auf der Couch vorm Aquarium, die Sonne läßt die Fische wieder wie die schönsten Goldklumpen erstrahlen. Die Katze springt auf den Rand des Aquariums. Sie muß sich noch umdrehen, im Moment zeigt der Hintern zu den Fischen. Allein, die Katze bedenkt nicht, daß sie nicht die kleinste ist (6,5 kg zeigt die Waage) und der Glasrand des Aquariums nur ein paar Millimeter mißt.

Die Katze wankt, die Katze schwankt - und eh man sich's versieht, ist das Aquarium zur Hälfte mit Schwanz, Hintern und Bauch der Katze gefüllt, Wasser schwappt, die Fische tauchen ab und die Zweibeiner auf der Couch halten sich die Bäuche vor Lachen. Die Katze klammert sich an den Glasrand, schafft den Sprung aus dem Aquarium, bevor die Pleite zum kompletten Tauchgang für sie wird. Die Katze ist nicht nur naß, das Fell stinkt nach Fischwasser - Schlimmeres kann zumindest an diesem Tag nicht mehr passieren. Putzen ist angesagt und die Katze wird erst am Abend wieder gesehen.
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Das Eichhörnchen

Die Katze hat ein Eichhörnchen entdeckt. Sie selbst ist zwar noch jung, aber doch recht übermütig und so ein Eichhörnchen wäre ein toller Jagderfolg. Sie springt auf das Eichhörnchen zu - das erschrickt und rennt davon und die Katze hinterher. Da steht eine junge Linde, das Hörnchen ist im Nu in der kleinen Baumkrone. Zeichnung: Eichhörnchen (c) Der Frühling ist erst im Durchbruch, das Bäumchen noch ohne Blätterkleid, und so hat die kleine Katze das Hörnchen schnell wiedergefunden.

Sie kann nicht den ganzen Stamm hinauflaufen wie das Eichhörnchen, sie schafft nur einen halben Meter, dann muß sie wieder auf den Boden. Die Katze setzt sich unter die Linde und lauert kerzengerade nach oben, irgendwann muß das Eichhörnchen auch wieder hinunter. Das Eichhörnchen indessen beweist Mut und geckert die Katze an. Es turnt auf den dünnen Ästen, schimpft und geckert und die Katze lauert. Sie lauert und lauert.

Die Zeit verrinnt, das ist ziemlich anstrengend für so eine kleine Katze und so muß sie sich ein wenig ausruhen vom Spähen und Lauern. Die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings wärmen schön das Katzenfell und die Gedanken fangen an, sich selbständig zu machen, wandeln sich in einen Tagtraum von Eichhörnchen und Mäusen... Das Eichhörnchen wird bald Hunger bekommen, jedenfalls muß es wieder runterkommen und dann wird sie es fangen, so einfach ist das.

Das Eichhörnchen ist still geworden, vielleicht schläft es auch in der blattlosen Krone.  Dann könnte es herunterfallen, was auch kein schlechter Umstand für die Katze wäre. Die kleine Katze späht wieder hinauf, um dem Eichhörnchen zu zeigen, daß sie nicht die Absicht hat aufzugeben. Das Bäumchen wiegt sich sanft im Wind, sonst bewegt sich nichts. Das Eichhörnchen hat sich längst durch einen kühnen Eichhörnchen-Sprung aus dem wankenden Geäst über mehrere Meter in den immergrünen Busch gerettet und die kleine Katze weiß nicht, daß das Eichhörnchen wieder in seiner Baumhöhle ist und seinem Nachwuchs Aufregendes zu erzählen hat. © copyright by Knö-Rei

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Katz und Maus

Die Katze hat lange geschlafen, aber jetzt schickt die Sonne ihre Strahlen durch das Fenster und sie hat Lust auf ein Spielchen. Ihre Zweibeiner sind nicht zuhaus, das ist schade, dann muß sie sich eben selbst ein Spiel ausdenken. Vorher macht die Katze noch ihren üblichen Rundgang durch die Wohnung, dabei entdeckt die Katze etwas Unbekanntes - ein neues Spielzeug; ihre Zweibeiner haben ihr eine neue Spielzeugmaus mitgebracht. Genauso so eine schöne hat sie schon mal bekommen. Spielzeugmäuse gefallen ihr sowieso besser als all das lebende Zeug, mit dem sich die Rausgeh-Katzen da draußen abgeben müssen. Sie ist lieber in der Wohnung und auf dem Balkon, wo es viel ungefährlicher für sie ist; schlimm genug, daß sie manchmal vor einer Fliege fliehen muß.

Sie nähert sich dem neuen Spielzeug, da läuft es davon, die Katze läuft hinterher. Eine Aufzieh-Spielzeugmaus, die allein läuft, ohne daß die Zweibeiner an einem Faden ziehen müssen, das ist was Tolles. Bleibt die Aufzieh-Spielzeugmaus manchmal stehen, schubst die Katze sie sanft mit eingezogenen Krallen an, dann läuft sie wieder vornweg. Aber Spielen macht müde, die Aufzieh-Spielzeugmaus ist sowieso eben unter den Schrank gelaufen, da ist es ihr zu anstrengend, hinterher zu kriechen. Die Katze legt sich wieder schlafen und in den nächsten Tagen spielt sie immer wieder mit ihrem neuen Lieblingsspielzeug. Die Katze sucht, bis sie die Aufzieh-Spielzeugmaus findet und dann geht alles von vorn los, bis die Katze müde ist und die Aufzieh-Spielzeugmaus unterm Schrank verschwunden ist. Ihre Zweibeiner sind tagsüber oft außer Haus und da kann sie sich schön die Zeit vertreiben.

Zeichnung: Maus (c)Es kommt ein unruhiger Tag, die Zweibeiner lachen in einem der Zimmer und schließen die Tür vor der Katze. Wieso darf sie da nicht rein? Sie holen allerlei Utensilien, mit denen sie wieder in dem Zimmer verschwinden, und immer ist die Tür für die Katze geschlossen. Nach langer Zeit schaut endlich ein Zweibeiner heraus, Schweißperlen auf der Stirn, zerzauselte Haare, als hätten die Zweibeiner drinnen Turnübungen gemacht. Die Katze darf endlich ins Zimmer, neugierig, was es jetzt wohl zu entdecken gibt. Aber es ist nichts Neues da, außer ein wenig Unordnung, was soll das? Ihre Aufzieh-Spielzeugmaus ist auch da; jetzt wird sie ihren Zweibeinern zeigen, wie schön sie das Spiel mit der neuen Aufzieh-Spielzeugmaus kann. Die Katze schubst die Aufzieh-Spielzeugmaus sanft mit einer Pfote an und los geht es.

Diesmal ist das Spiel besonders interessant, weil die Zweibeiner das schmale Bücherregal mitten ins Zimmer gestellt haben. Da geht es wie Tom und Jerry immer rundherum, die Aufzieh-Spielzeugmaus vornweg, die Katze hinterher. Jedesmal, wenn die Aufzieh-Spielzeugmaus stehenbleibt, bekommt sie wieder einen kleinen Schubs und weiter geht es. Die Zweibeiner sitzen mit offen Mündern da, doch bald schieben sie die Katze aus dem Zimmer und das Lachen setzt wieder ein. Es werden noch mehr Utensilien geholt und nach noch längerer Zeit als beim ersten Mal kommen die Zweibeiner endlich wieder aus dem Zimmer und die Tür bleibt nun für die Katze offen.

Es tritt wieder Ruhe ein und die Katze will noch etwas spielen. Aber sie kann die Aufzieh-Spielzeugmaus nicht finden - die Zweibeiner haben ein großes Glas in der Hand und da ist ihre neue Lieblings-Aufzieh-Spielzeugmaus drin. Sie erzählen der Katze etwas, daß klingt wie: mit echten Mäusen spielt man nicht, die haben doch Angst vor Katzen und wissen nicht, daß es auch Katzen gibt, die sie nicht fressen wollen und sie bringen die Maus jetzt wieder auf das Feld hinterm Haus, da wo sie hingehört - und die Katze versteht die Welt nicht mehr. © copyright by Knö-Rei

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