| Homepage | Landschaften | Katzen | Glaskunst & Ostereier | Fotografie & Malerei | Zündholzschachteln | Skulpturen | Neue Seiten | Sitemap |
|
|
|||||||||||||||||||||||
Klettern in der Sächsischen Schweiz |
|||||||||||||||||||||||
|
Ist
free climbing sächsisch? Die Sächsische Schweiz mit ihren überschaubaren Dimensionen, den romantischen kleineren Felsen inmitten von Bäumen und den imposanten großen Gipfeln bietet eine fast unerschöpfliche Vielfalt für Kletterfreunde und zählt zu den markantesten und schönsten Klettergebieten der Welt. Besucher der Sächsischen Schweiz beobachten oft staunend die besonders im Sommer zahlreichen Kletterer bei ihrem Sport. Und oft hört man die Vermutung, wer weit oben im Felsen steigt, meistert wohl gerade einen schwierigen Weg. Doch weit gefehlt - es gibt lange einfache Wege ebenso wie kurze schwere und umgekehrt. Und nicht immer ist Höhe auch gleichzusetzen mit schwierig, ein bißchen Schwindelfreiheit ist da oben aber doch vonnöten, die Wandhöhen betragen zwischen 10 und ca. 90 Metern und mit jedem Meter Höhengewinn erlebt und erspürt man viele Millionen Jahre Sandsteingeschichte.
In
der Sächsischen Schweiz gibt es eine Fülle an Wegen aller
Schwierigkeitsgrade.
Sie ist nicht nur ein Gebiet für anspruchsvolles professionelles Klettern,
sie ist genauso ein Eldoradofür das Klettern mit Kindern und Familie. Vom schönen Klettereinstieg mit lohnenden leichten und leichteren Kletterwegen für Anfänger, Gelegenheitskletterer, Familien und Kinder mit Schwierigkeiten von I bis III, über wahre "Genußwege"
der IV. Schwierigkeit, bei der sich technisch anspruchsvolles Klettern zu
luftiger Höhe ohne großes Risiko gesellt, bis hin zum Extremklettern für
Freaks im Bereich bis XII ist für jeden etwas dabei. Ausgangspunkt für die Bewertung der Schwierigkeit eines Weges ist die Beschaffenheit der Felsoberfläche, die das Klettern überhaupt erst möglich macht. Faustregel dabei ist, je kleiner die Griffe und Tritte und je weniger natürliche Sicherungsmöglichkeiten, umso höher ist die Schwierigkeit. Großgriffige Wände mit vielen natürlichen Rast- und Sicherungspunkten sind dagegen richtige "Freudenwege". Es handelt sich bei der Schwierigkeitsbewertung um die Sächsische Kletterskala, die sich von der UIAA-Skala etwas unterscheidet und in bezug auf die Leistungsanforderungen nicht einfach 1:1 umgerechnet werden sollte. So mancher Kletterer aus anderen Gebieten hat in der Sächsischen Schweiz als Elbsandstein-Einsteiger schon sein sportliches "Blaues Wunder" erlebt und mußte sein Leistungsvermögen neu bewerten. Empfehlenswertes Motto: "Lieber Tiefstapeln und hochkommen als Hochstapeln und tief fallen". Das physische und psychische Leistungsvermögen der gesamten Seilschaft (Stichwort: "Nähmaschine") sollte immer der Schwierigkeit des Weges entsprechen. Am gewöhnungsbedürftigsten dürften die Ringabstände im sächsischen Fels sein, die mindestens 3 - 5 Meter betragen nach der Regel "Geringste Ringanzahl und größtmöglicher Ringabstand". In der Praxis weisen die Wege meist weit größere Ringabstände auf, so kann man auf einem 80m-Weg durchaus nur drei Ringen begegnen. Auf vielen Wegen, auch besonders schweren, ist überhaupt gar kein Ring angebracht. Auch die anderen Sächsischen Kletterregeln machen bewußt, daß es hier um das Erlebnis am Naturobjekt Fels geht und man nicht im Klettergarten ist. Beachtens- und bedenkenswert ist auch, daß über 64 % der Gipfel und Wege (755 Gipfel, 12.600 Wege) im Gebiet des Nationalparks, die übrigen im Naturschutzgebiet liegen. Der Elbsandstein bietet eine reichhaltige grob oder fein gekörnte Felsstruktur mit einer sehr guten Rauhigkeit, an der man mit der richtigen Klettertechnik (und immer nach der Drei-Punkt-Regel) geneigt oder senkrecht über Stufen und Henkelgriffe, zarte Risse, Rippen, Bänder und Fingerlöcher, Reibungswände, Hand- und Schulterrisse, Kamine, Verschneidungen, Quergänge und Überhänge "seinen" Gipfel erreicht. Auch Unterstützungsstellen, Übertritte oder Überfälle und Sprünge sind bei einzelnen Wegen gefordert. Da Ringe spärlich gesät sind, werden Sanduhren, Platten, Zacken und Risse als vielfältige natürliche Zwischensicherungsmöglichkeiten genutzt, es kann auch mal
ein Felskopf oder ein gut stehender Felsbaum sein. Im sächsischen Fels
erfolgt die Sicherung nur durch
Seil- oder Bandschlingen mit verschiedenen Knoten.
Klettertechnik allein bringt den Kletterfreund also nicht nach oben. Neben geeignetem und ausreichendem Schlingenmaterial braucht auch das sächsische Klettern noch weitere entsprechende Kletterausrüstung. Ein Bergseil (auch Vollseil oder Einfachseil genannt) mit mindestens 50 m Länge, Abseilachter und ein passender Klettergurt für jeden Kletterer (je nach Herstellervorgaben Nur-Sitz-Gurt, Kombi-Gurt oder Komplett-Gurt), etliche Karabiner, HMS-Karabiner und die Kletterschuhe gehören zur Standardausrüstung - mehr braucht's aber auch nicht. Die sächsischen Kletterwege sind grundsätzlich für Seilschaften mit Vor- und Nachsteiger ausgelegt, wobei das Kletter-Leistungsvermögen des Nachsteigers ebenso der Schwierigkeit des Weges gewachsen sein sollte, denn auch der Nachsteiger klettert nur aus eigener Kraft und muß zudem die vom Vorsteiger gelegten Zwischensicherungen aus der Kletterhaltung heraus wieder abbauen. Oberstes Gebot ist natürlich immer die Kameradensicherung und auch wer sichern will, muß selbst gesichert sein. Der eigenen Standplatzsicherung sollte also gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das gilt für den sichernden Nachsteiger ebenso wie für den nachholenden Vorsteiger. Für die Sicherung des Vorsteigers ist die HMS-Sicherung die richtige, für die Sicherung des Nachsteigers kann auch die gute "alte" statische Sicherung sinnvoll sein. Der Vorsteiger sollte entgegen modischen Tendenzen ein Komplettsystem aus Hüftgurt und Brustgurt verwenden, da die realen Sturzbedingungen und Falllinien am sächsischen Fels meistens von theoretischen Idealen abweichen. Die Sächsische Schweiz ist nicht nur das deutsche Klettergebiet schlechthin ... hier steht auch die weltweite Wiege des Sportkletterns. Um 1864 wurden die ersten Gipfel aus rein sportlichen Motiven bestiegen, damals noch unter Zuhilfenahme von Leitern, Steigbäumen, Tritteisen sowie Hammer und Meißel. Unter dem Einfluß von Dr. Oscar Schuster entwickelte sich ab 1891 das "saubere" Klettern ohne künstliche Hilsmittel. Die Klettertechnik entwickelte sich von der Kaminkletterei über die Rißkletterei bis zur Wandkletterei. Männer wie Dr. Oscar Schuster, Friedrich und Conrad Meurer, Arthur Gühne und Fritz Brosin gehören zu den bedeutendsten Erstbesteigern. Die Regeln, die sich die Kletterpioniere aufstellten, begründeten sich zum einen im sportlichen Ehrgeiz und zum anderen in der Rücksichtnahme auf die einzigartige und zerbrechliche Natur. Sie gelten seit 1911 bis heute für alle Kletterer, die in der Sächsischen Schweiz unterwegs sind. Die Kühnheit des sächsischen Bergsteigens ist so bis heute unverwechselbar geblieben. Die Kletterregeln werden von Zeit zu Zeit der aktuellen Natursituation angepaßt, die aktuell gültigen Kletterregeln sind auf der Nationalpark-Webseite oder der Webseite des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB) nachzulesen.
Die in Sport- und Buchläden der Region oder übers Internet erhältlichen Kletterführer weisen den Kletterfreunden den richtigen Weg. 1908 erschien der erste Kletterführer "Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz" von Rudolf Fehrmann. Heute ist das Ganze etwas umfangreicher geworden und so gibt es für die Klettergebiete - Schrammsteine / Schmilkaer Gebiet - Bielatal / Erzgebirgsgrenzgebiet - Gebiet der Steine - Großer Zschand / Wildensteiner Gebiet / Hinterhermsdorfer Gebiet - Affensteine / Kleiner Zschand - Rathener Gebiet / Brand jeweils separate Kletterführer, die auch Gebietsskizzen mit Zugangswegen sowie Anstiegsskizzen enthalten. Die Beschreibung der einzelnen Kletterwege beginnt immer mit dem ältesten Aufstieg (meist der AW "Alter Weg") und dann im Uhrzeigersinn um den Gipfel herum.Das sächsische Klettern ist mutig, aber nicht leichtsinnig. Aber genau auf Leichtsinn und Selbstüberschätzung sind die meisten der ca. 60 - 70 Bergunfälle pro Jahr in der Sächsischen Schweiz zurückzuführen. Ein Gedanke an den Bergrettungsdienst ist da angebracht. Die Bergfreunde in den Bergrettungswachen arbeiten alle ehrenamtlich, sie sind in ihrer Freizeit für „echte“ Unglücksfälle zur Stelle. Sehr gut, daß man in der Not Hilfe bekommt, auch lebensrettende Hilfe (Alarmierung der Bergrettung immer über den Notruf 112) - aber das Vorhandensein der Bergrettung ist keine Rundum-Versicherung für Sorglose - und kein Gipfel dieser Welt ist das Leben oder die Gesundheit wert. Hat man den Gipfel erreicht, darf sich jeder Kletterer im Gipfelbuch nach
den Vorgaben der
Sächsischen Kletterregeln
verewigen - eine schöne Tradition. Das Gipfelbuch befindet sich in einer
Blechkassette, die auf einer festen Stütze auf dem Felsen aufgesteckt ist.
Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB)
sammelt und archiviert seit vielen Jahrzehnten die
vollen Gipfelbücher und
bereichert damit die Sächsische Klettergeschichte.Irgendwann muß jeder wieder runter. Abseilen... ein Vergnügen für sich und für manchen Toprope-Kletterer auch eine neue Erfahrung. Heute hat man es gut, denn jeder Gipfel hat eine Abseilöse. Noch bis ca. 1990 war nicht auf jedem Gipfel so eine Öse, dann wurde vom Gipfel über den leichtesten Aufstieg, in der Regel mit Schwierigkeit I oder II, wieder abgestiegen - bergab aber sehen auch die leichten Wege manchmal abenteuerlich aus und außerdem wurde die Felsoberfläche dieser leichteren Wege übermäßig abgetreten. Die Abseilöse befindet sich jeweils an der Stelle des Gipfels, von der aus
man direkt mit seinem Seil den Boden oder die nächste Abseilstelle erreicht.
Die Abseilstelle kann also auch genau auf der anderen Seite des Gipfels
sein. Oft ist die Abseilöse ein Stückchen tiefer am Gipfelkopf angebracht,
um beim Abziehen des Seiles die Felsoberfläche zu schonen. Wenn im
Kletterführer nichts anderes
angegeben ist, ist die Abseillänge max. 20 Meter. Für den Fall, daß die
Abseilacht sich versehentlich selbständig macht und mit "plim-plim" vom
Gipfel fällt, ist es von Vorteil, wenn man das Abseilen auch im "Dülfersitz"
beherrscht. Abseil-Unsichere und
-Neulinge sichern sich beim Abseilen zusätzlich mit einer Prusikschlinge.Eine schöne Tradition sind auch die alljährlichen Neujahrsbesteigungen. An jedem 1. Januar fahren viele Kletterer in die Sächsische Schweiz, um "ihren" ersten Gipfel des Jahres zu ersteigen. Dazu gesellen sich oft Familie, Kinder und Freunde. Da es am 1. Januar üblicherweise kalt, feucht und oft auch schneebedeckt ist, werden natürlich nur einfache, gut zu sichernde Wege mit stabiler Felsoberfläche gestiegen. Hier geht es nicht um Leistung, sondern um Spaß und den heimlichen Wettbewerb, welcher "Frühaufsteher" sich als Erster des Jahres im Gipfelbuch eintragen kann. Belohnung sind immer auch die herrlichen und nicht alltäglichen Rundblicke. Für ein genußvolles Verschnaufen auf dem Gipfel und Um-sich-her-Blicken in die wundervolle Landschaft sollte man sich ruhig etwas Zeit lassen. Wer noch nie geklettert ist und es ob der reizvollen Felsen nun probieren möchte oder wer die Besonderheiten des Sächsischen Felskletterns lernen will, dem sei einer der vielen angebotenen Kletterkurse empfohlen, die Bandbreite reicht vom Schnupperkurs bis zum Fortgeschrittenenkurs. Informationen und Adressen dazu kann man über die örtlichen Tourismusbüros, in Kletterläden oder über das Internet erfahren. Der Tourismusverband Sächsische Schweiz hält auf seiner Webseite www.saechsische-schweiz.de auch einen Adressenpool für Kletterkurse bereit. Will man mehrere Tage zum Klettern in der sächsischen Felsenwelt unterwegs sein, bietet sich eine Vielzahl an Gasthöfen, Pensionen, Fremdenzimmern, aber auch Naturfreundehäusern, Wanderquartieren und Campingplätzen zum Übernachten an. Das Übernachten im Freien ist allerdings nur unter strengen Auflagen möglich. Klettern in der Sächsischen Schweiz - das ist vor allem Sport mit viel Genuß und auch die eigene Grenzerfahrung. Wen das wunderbare Naturerlebnis "Sächsischer Sandstein" einmal richtig gepackt hat, den läßt es nicht mehr los. Noch ein paar ganz persönliche Gedanken... |